teresa präauer - für den herrscher aus übersee
Romane

Teresa Präauer – Für den Herrscher aus Übersee

By on 5. Juni 2017

Für das schönste unter den Kinderpaaren im Reich der tauchenden Vögel und fliegenden Fische. S. 18

Ich habe den Zauber gespürt und bin verschossen. In ein Buch, keine zwei Finger breit. Und das ist mir schon lange nicht mehr passiert. „Für den Herrscher aus Übersee“ ist meine erste literarische Auseinandersetzung mit der Autorin Teresa Präauer. So viel wurde über sie geschrieben, dass ich mir nicht sicher war, ob wir zwei miteinander auskommen. Obwohl mich ihre Lesung „Oh Schimmi“ bei der Bachmannpreisverleihung im Juli 2015 positiv überrascht hatte. Einfach, weil sie so anders schreibt, so eigen und phantasievoll. Ein melodischer Stil, welcher sich von anderen unterscheidet und abhebt. Es ist als würden die Worte durch sie lebendig werden und abheben. Ebenso gilt das „ Für den Herscher aus Übersee“. Konkret gesagt, geht es um die Liebe, die Heiterkeit, das Fliegen, die Heimkehr und um die Lebensformel des Seins, erzählt aus der Sicht zweier Brüder mit Blick auf die Welt. Jeden Tag erhalten sie eine Ansichtskarte ihrer Eltern aus einem fernfremden Land. Auch wenn der Großvater die Post mit Absicht falsch vorliest, ist er für die Brüder ein Held, ein großer Pilot, der weit um die Welt gekommen ist. Einmal bringt er Ihnen bei, den Wind zu lesen und streckt den Finger ´gen Himmel aus. Außerdem erzählt er ihnen von der hohen Kunst des Fliegens, ebenso von der unglaublichen Geschichte einer japanischen Fliegerin und ihrem Vogelschwarm. Eine Liebesgeschichte, welche mitnichten kitschig und so so schön ist.

Wisst ihr, sagt der Großvater, hält die brennende Zigarette zwischen Daumen und Zeigefinger in unsere Richtung und zwickt dabei ein Auge zu, etwas hat mich knapp verfehlt auf meinen Wegen über die Felder dieser Welt. Das war aber kein lascher Filter wie der hier, sondern knallhart. Das bohrt sich durch die Haut wie Butter und mitten ins Herz, ihr kleinen Sesselhocker, damit ihr euch das einmal vorstellen könnt. S. 38

Den Brüdern, die während der Weltreise ihrer Eltern bei den Großeltern untergekommen sind, habe ich mich so nah gefühlt. Irgendwie zurückversetzt in die eigene Kindheit, denn welches Kind hat nicht den Traum vom Fliegen? Wer hat sich nicht schon mal seine eigene Flugmontur zusammengebastelt?

Das Haus der Großeltern ist umzingelt von Feldern und Wäldern und steht auf einem Hügel, von wo man weit hinten am Horizont sogar die Berge sehen kann. Allein wie Teresa Präauer die Start und Landemanöver der Brüder beschreibt, ihre Flügel aus Draht und Federn, ist köstlich. Dieses schmale bildgewaltige prosaische Buch ist magisch – ein Schatz, ein Wunder.

 

Teresa Präauer, Roman: “ Für den Herrscher aus Übersee „, FISCHER TB , ISBN 978-3-596-19721-7

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