Rezension zu „Shining“ von Stephen King

Shining von Stephen King

Eigentlich hat sich Jack Torrance ein anderes Leben vorgestellt. Seine Karriere als Lehrer wird abrupt beendet und sein schriftstellerisches Talent konnte noch keine großen Erfolge aufweisen. Nichtsdestotrotz ist er guter Dinge, dass seine neue Anstellung als Hausmeister in einem Hotel in den Rocky Mountains über die langen Wintermonate, wie ein Katalysator wirken könnte. Die Abgeschiedenheit klärt die Sicht der Dinge und bringt neue Impulse. Schnell würde er die dunklen Kapitel seiner Vergangenheit ins Nichts entsenden. Er würde insbesondere „trocken“ bleiben. Sicherlich trug der exzessive Alkoholkonsum dazu bei, dass seine Gedanken, Emotionen und Energien in eine völlig falsche Richtung abgedriftet waren.

Das „Hotel Overlook“ soll nun der Beginn eines neuen Lebenslaufs sein. Unterstützung erhält er von seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny, die mit ihrem Vater den beschwerlichen Weg in die Berge auf sich nehmen, um den Winter gemeinsam verbringen zu können. Gern sind die beiden bereit, diese neue Herausforderung der noch jungen Familie anzunehmen. Zu oft wurde Wendy von ihrem Mann enttäuscht, zu oft lag sie sorgenvoll ganze Nächte wach, nur um anschließend einen völlig betrunkenen Ehemann in Empfang nehmen zu müssen. Danny, der mit seinen fünf Jahren äußerst aufgeweckt und wissbegierig erscheint, mag diese dunklen Seiten nur selten zu Gesicht bekommen haben – und doch…

… hat Danny möglicherweise etwas an sich, was die Sichtweise, das Urteilsvermögen und die kommenden Ereignisse aller Beteiligten nachhaltig beeinflussen kann und wohl auch wird.

Welche Geschichten hält dieses Hotel für die neuen „Mieter“ bereit? Welche Machenschaften, Skandale (oder Morde?) haben sich über die vielen Jahre in diesem Hause, dessen Anwesen riesig zu sein scheint, ereignet? Der Wissensdurst des Vaters und die Begabung seines Sohnes, die Ängste einer verunsicherten Ehefrau und Mutter, sowie die Begegnungen, „Erscheinungen“ und Ereignisse der kommenden Wochen und Monate werden tatsächlich die Sicht der Dinge klären – für alle Beteiligten.

1977 veröffentlichte Stephen King einen weiteren „Horror“, den die Leserschaft heutzutage zu den Klassikern des Genres zählen dürfte. Die Karriere des Autors verlief wie der anhaltende Aufstieg des Mount Everest – es geht immer weiter bergauf und das Ziel, der Gipfel, ist noch lange nicht in Sicht. Was mit „Carrie“ 1974 begann, erfährt mit diesem Roman seine Fortsetzung. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die ständigen Zweifel, wüsten Anschuldigungen und die blanke Hysterie ziehen sich von Anfang bis Ende der Geschichte um Jack, Wendy und Danny.

„King-Leser“ erkennen bereits auf den ersten Seiten, dass der Autor seiner Linie treu bleibt. Detailreich, ohne jedoch störend zu wirken, schildert er die wichtigen Stationen im Leben des Protagonisten und seiner „Leidensgenossen“. Lange Zeit wurde King als „Horror-Autor“ bezeichnet – seine übernatürlichen Erzählungen und der Horror in seinen Geschichten gerieten immer wieder in den Fokus der Leserschaft. Dabei kann man jedoch auch festhalten, dass neben dem übernatürlichen Geschehen stets die Betroffenen und ihre persönlichen Lebenswege vom Autor beschrieben werden. „Shining“ beginnt vielmehr wie ein gut durchdachtes Drama, welches sich zu einem spannenden Thriller entwickelt und im blanken Horror endet.

„Urängste“, die jeder von uns kennt, werden in „Shining“ geschürt. Oftmals ertappt sich der Leser bei dem Gedanken, dass diese Ängste bekannt und nahbar zu sein scheinen. Das vorgestellte Szenario in einem entlegenen Hotel in den Bergen, die Schwere der Einsamkeit und das Gefühl, trotz dieser Umstände nicht allein zu sein, sorgt für ein wohliges Kribbeln im Nacken.

Seit fast 20 Jahren lese ich „Stephen King“ – auch „Shining“ las ich bereits vor einigen Jahren. Ich muss jedoch gestehen, dass ich erst jetzt einen echten Zugang, eine Empfänglichkeit, für diese Geschichte erhalten habe. „Shining“ hinterlässt einen erschöpften, aber auch zufriedenen Fan des Erfolgsautors. Sicherlich gab und gibt es Geschichten aus Bangor in Maine, die spannender oder packender sind. Doch letztlich bleibt eine Feststellung, welche unumstößlich ist:

Für Fans ein MUSS und für alle übrigen Leser eine echte Empfehlung! Insbesondere tritt diese Feststellung in Kraft, wenn der/die eine oder andere Leser/in den Wunsch hegt „Doctor Sleep“ ins Regal zu stellen. Der kürzlich erschienene Fortsetzungsroman zu „Shining“ steht bei mir bereits im Regal.

x Autor/in: Stephen King
x Titel: Shining
x Übersetzer/in: Harro Christensen
x Genre: Krimi / Thriller
x 624 Seiten
x Bastei Lübbe
x ISBN: 978-3404130085

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


%d Bloggern gefällt das: