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Biographie / Autobiographie

„Jimi Hendrix – Starting at Zero“

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15. Juni 2017

„Jimi Hendrix – Starting at Zero“ liest sich durch die Ich-Erzählstimme zunächst so, als wäre nicht der Regisseur Peter Neal (Der Autor, welcher zusammen mit Alan Douglas an der Filmbiografie „Room Full Of Mirros“ arbeitete), sondern Hendrix selbst. Allerdings handelt es sich lediglich um gedankliche Textschnipsel (aus Interviews, Briefen, Zetteln etc.) die gesammelt und entsprechend verwertet wurden – so dass es passt. Rückblickend und mit dem Lesen der Interviews täuscht das Gefühl „Etwas fehlt“ nicht. Trotzdem liebe ich das Buch. Chronologisch aufbereitet beginnen die tagebuchähnlichen Einträge bei Null „und der Himmel war SsschuusssSchush“, am 27. November 1942 in Seattle/Washington, USA. Zweideutig und zu Beginn ein wenig befremdlich ist das poetische Sprachbild „Die Geburt – mein erster Trip“ im ersten Kapitel „Voodoo Child“ und dem Song „Voodoo Chile“. Das soll wohl das Ineinandergleiten, ein verwaschenes Klangbild, zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit beschreiben, die Musik als Trip.

Wenn auch das Familiäre und das schwierige Verhältnis zum Management, Mike Jeffery, der zusammen mit Chas Chandler „Jimi Hendrix Experience“ aufgebaut hatte, nur oberflächlich angekratzt wird, ist es trotz alledem gelungen, Hendrix Lebensstationen über seine Songtexte nachzuzeichnen. Im Zentrum steht die Lyrik und Musik – die Kunst, ihr wird in diesem Buch besonders durch die kunstvolle und aufwendige Gestaltung samt der Illustrationen besonderen Ausdruck verliehen. Die großen Zeitsprünge sind so, als würde man durch ein Wurmloch fallen und durch die 66er, 68er und 70er Jahrgänge rauschen. Und so erlebt man die Gründung der Band Jimi Hendrix The Experience (1966 Mitch Mitchell – Schlagzeuger, Noel Redding – Bassist), Gypsy Sun & Rainbows (1969) – nicht nur.

Hier ein Beispiel der Illustration / Typographie in „Jimi Hendrix – Starting at Zero“ aus dem Heyne Verlag. Die Zeichnungen sind von unterschiedlichen Künstlern, wie Michael Ochs, David Redfern u. a.

Ich mag die Anekdoten aus Hendrix Schul- und Jugendzeit und auch die Briefe, welche Jimi während seiner Dienstzeit beim Militär an seinen Vater schrieb. Zu dem Zeitpunkt lernte er den Bassisten Billy Cox kennen und sie gründeten „The King Kasuals“; das war 1962. Dann sind da noch die vielen spannenden Begegnungen, wie die mit Bob Dylan, Jimis Analyse nach den Konzerten in Europa und in den USA. Das Drumherum, wie er über diese ganze „Make Love, not War“ Hippie Bewegung und über die unterschiedlichen Reaktionen seiner Fans gedacht hat. Wie er Musik gelebt und mit ihr experimentiert hat. Das ist spannend geschrieben und hat mich zeitweise sogar an Brian Wilsons Biografie erinnert und daran, wie übelst hart das Musik-Buisness ist. Es ist ja kein Geheimnis, dass es in der kapitalistischen Weltordnung nur um die Moral der Gier und Profitmaximierung geht und dass der Maßstab sich nach einer Band mit größtem Erfolg richtet, an massentaugliche Ware; ihnen war der „kommerzielle Scheiß“ jedoch egal. Und wenn du es trotzdem schaffst, will jeder etwas vom Kuchen. Es ist interessant zu sehen, wie einige den Ruhm des anderen für die eigene Sache nutzen wollen, so auch die Panthers. Und wenn du so irre nett und korrekt bist, für eine Gute Sache eintrittst und sagst was du denkst, schätze ich, ist das die Falltür. Im Bezug auf die Rassenunruhen oder den Krieg in Vietnam, hat Hendrix es vielleicht genau so gemeint, als er sich zu den Beatles ungefähr so äußerte: „Sie haben die Macht, sie könnten etwas sagen“. Jedenfalls so ähnlich. Ich meine, daran kann man doch schon erkennen, was für ein immenser Druck auf Musiker lastet. Schlimm, wenn dabei das was man liebt und wofür man lebt zur Nebensache wird. Und während man so liest, am Ende angelangt ist und sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lässt, befindet man sich in der Mitte einer tiefen Schlucht, als wäre man zwischen zwei Felswänden eingeschlossen, wisst ihr? Zwischen dem was wahr und unwahr ist. Und keine Biographie, keiner kann dir diese allerletzte Frage beantworten.

 

Und es gibt so unendlich viele Hendrix Biographien das einem schwindelig wird, wie „Electric Gypsy“ vom Hendrix Biograph Harry Shapiro und Caesar Glebbeek, „Room Full of Mirrors“ von Charles R. Cross. Dann bin ich noch auf „A Brothers Told“ von Lee Hendrix gestoßen. Leider wurde das Buch bisher nicht ins Deutsche übersetzt, aber die Leseprobe gefällt mir richtig gut. Wie auch immer, ein guter Anfang ist  „Jimi Hendrix – Starting at Zero“ allemal. Nun lege ich das Buch in meine Schatztruhe und ende mit einem Fazit, das meine Zeitreise, in einem Satz beschreibt:

Und zwischen den Zeilen – diese ´unendliche Fülle` des traumhaften, unergründlichen, vielleicht auch vorwärtstreibenden, schleicht das allmähliche Begreifen.

Liebste Songs: Purple Haze, All Along The Watchtower, Hey Joe

Jimi Hendrix / Documentary The Last 24 hourswirft noch mal ein anderes Licht auf die Frage, die immer noch in vielen Köpfen herumspukt. teamrock.com –Keith Altham & Jimi Hendrix/ The Last Interview.

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