2017 Jahresrückblick
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Jahresabschluß 2016 – BuchSaiten Blogparade

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3. Januar 2017

Fast jedes Jahr habe ich an der Blogparade von BuchSaiten (#BSBP) teilgenommen, und als ich mich von 2016 verabschieden wollte, schien es, als würde diese Tradition nicht mehr fortgeführt werden. Ich hatte ja keine Ahnung, dass Katrin ihr Projekt an die liebe Petzi vom Blog ´Die Liebe zu Büchern` abgegeben hat. Zugegeben, diese Nachricht hatte mich überrollt. Einerseits habe ich sie mit einem weinenden Auge vernommen, andererseits freue ich mich, dass die BuchSaiten Reise mit Petzi weitergeht. Ich schreibe deswegen Reise, weil man mitunter auch viele neue Blogger entdeckt.  Bitte verzeiht, wenn ich jetzt und zukünftig auf Trackbacks und Verlinkungen zu anderen Blogs verzichte. Macht euch mal den Spaß und checkt eure Blogs nach deadlinks.

Die 8. BuchSaiten Blogparade

Hier mein Jahresrückblick:

Die Fragen sind die gleichen, wie immer.

  • Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)
  • Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)
  • Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?
  • Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?
  • Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2017 lesen und warum?


 

1.) Die erste Frage ist für mich deswegen schwer zu beantworten, weil ich im letzten Jahr kein Buch las, von dem ich mir wenig versprochen hatte. Lediglich ein Hörspiel, es war ein Lese- und Hörtipp von lustauflesen, das online im BR2 zu hören war. Zu einem Buch, das ich für mich mit einem ersten Gefühl aus der Leseprobe als zu künstlerisch, zu wirr und zu schwer verbucht hatte. Die Rede ist von »Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969« von Frank Witzel. Und obwohl es sich um eine gebündelte Kurzfassung – welche übrigens künstlerisch hervorragend umgesetzt wurde – handelt, überlegen wir schon, ob wir uns das Original im Paperback doch noch antun möchten. Wir, weil Olli ebenso begeistert war. Vom Witz, von der Fantasie, von den arrangierten Stimmen und Hintergrundgeräuschen; kurz gesagt: von der Atmosphäre! Aber ich möchte mich nicht festlegen. Schließlich habe ich das Buch, welches ich 2015 nicht las und 2016 unbedingt lesen wollte, immer noch nicht gelesen.

2.) Mehr erhofft hatte ich mir von »Das Mädchen mit dem Fingerhut« von Michael Köhlmeier. Ein Buch, das so hoch gelobt wurde und mich, einige mag es stören oder auch nicht, zutiefst gelangweilt hat. Nicht die Geschichte hat mich gelangweilt, aber der Autor hat eine sehr eigene reduzierte Sprache, die man mögen muss.

3.) So eine richtige persönliche Autoren Neuentdeckung. Da gehört unbedingt Jocelyne Saucier zu den Namen, welche für mich unvergessen bleiben, weil ich mit jeder weiteren Seite in »Ein Leben mehr«, das vom Einsiedlerleben ´dreier` Männer inmitten der nordkanadischen Wälder, vom Leben, von der Liebe und vom Tod handelt – den Wunsch verspürte, dass diese brilliant erzählte, schöne und zugleich traurige Geschichte, niemals enden möge.  In diesem Zusammenhang sei auch die hohe Kunst des Übersetzens erwähnt. Sonja Finck transportiert die Stimmen, die Poesie, die Natur, die Atmosphäre so fassbar ins Deutsche, dass ich mir auch ihren Namen merken muss. Ja es ist wahr, man kann zwischen Buchseiten Blätter rauschen hören und mehr. Sowas, das Buch habe ich ja schon im Jahr 2015 gelesen. Egal, mir fällt sonst noch Peter Nichols ein, ebenfalls ein brillianter Erzähler.

4.) Ein liebstes Cover Buch, da kommt mir spontan »Das Dschungelbuch 1&2« in den Sinn oder Zeichnungen und Illustrationen, die mich entweder teilweise oder komplett beeindrucken konnten, sei es in der Graphic Novel Moby Dick aus dem Egmont Verlag, oder in den kürzlich vorgestellten Bilderbuchgeschichten Milchzahn & Stinkefuß.  Die schwarz/weiß Zeichnungen von Christoph Chapoutés geben die durchgend düstere Stimmung der Romanvorlage von Herman Melville sehr gut wieder. Die Bilder sind sehr ausdrucksstark. In der Folge sind sie jedoch bisweilen irritierend, weil sich die Mimik in den entsetzten oder vom Kummer und vom Elend gezeichneten Gesichtern stets wiederholt und vermuten lässt, dass sie einfach nur kopiert wurden. Es ist nur ein erster Eindruck. Die colorierten Zeichnungen und Pinselstriche der Abenteurer Milchzahn & Stinkefuß von Daniel Bauer hingegen sind so fantastisch und gekonnt in Szene gesetzt, dass man selbst beim zweiten und dritten Durchsehen über die kleinsten, in der Zeichnung versteckten Details stolpert. Daaaaa, ein weit entfernter Buntspecht, wie er gegen einen Baumstamm klopft. Entweder um eine Höhle zu bauen oder eine neue Liebe zu finden. Und Stinkefuß schelmischer Gesichtsausdruck erst. Großartig! Ein Bild aus dem Folgeband ´Der Hühnerdieb` rief sogar Erinnerungen an das Volksmärchen »Die Bremer Stadmusikanten« der Gebrüder Grimm wach.

 

5.) Nun, ich bin gerade (bzw. ´immernoch`) dabei, einen Leseeindruck zum Dschungelbuch 1 & 2 zu verfassen. Ein Buch, das mich während des Lesens  – aus unterschiedlichsten Gründen, so fasziniert hat, dass ich den Menschen, den Schriftsteller und Dichter Ruydyard Kipling sowie seinen Kritikern, möglicherweise nur dann auf die Schliche komme, wenn ich all` seine Werke lese und nach meinem eigenen Dafürhalten und nicht nachdem, was in Wikipedia steht oder irgendwelche Leute sagen, beurteile. Ein erster Schritt war das Gedicht „If“ und diese von Andreas Nohl überarbeitete und großartige Übersetzung, basierend auf der von Rudyard Kipling autorisierten Outward Bound Edition aus dem Jahr 1897. Ich könnte auch Nohls abschließende Rezeption einfach kopieren, weil sie, inklusive aller zusätzlichen Informationen, klug formuliert ist, und den Nagel auf den Kopf trifft.

Auch im letzten Jahr bin ich nicht dazu gekommen jedes gelesene Buch hier vorzustellen. Die Zeit!

Noch bin ich mir nicht im klaren, wie es 2017 im Leuchtturm weitergeht. Ein Wollknäul verknoteter Gedanken sitzt in meinem Kopf fest. Es ist, als würden die Worte unsortiert an der Zunge kleben bleiben. So wie frischer Tau an Spinnfäden. Ich atme Bücher und Gedichte ein. Und dann erfüllt mich wunderbares Schweigen.

Eure Tanja

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