Herzenhören von Jan-Philipp Sendker

Jan-Philipp Sendker ist Autor und hauptberuflich Journalist; er arbeitete lange Zeit für den Stern als Amerika- und Asienkorrespondent. Mit Herzenhören hat der Autor sich auch in mein Herz geschrieben. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass „Herzenhören“ bereits vor elf Jahren veröffentlicht wurde, denn der Erfolg und die Wertschätzung der Leserschaft kam spät. Auch ich habe das Buch erst jetzt gelesen. Wenn ich mich recht erinnere, dann bin ich auf den Schriftsteller erst über eine wundervolle Rezension von „Adamitsou liest“ aufmerksam geworden. Ich würde zu gerne eine Dokumentation über seine Asienreisen lesen, denn „Herzenhören“ ist wie aus einem Märchen entsprungen – so fern von der Realität. Fern von einem Burma (Birma), in dem jahrelang Krieg herrscht(e) und doch ist es das Birma, wie ich es mag – das sagt mir mein Herz. Im Jahr 2000, kurz nach der Veröffentlichung von „Herzenhören“ erschien seine China Reportage als Roman „Risse in der großen Mauer“, welches vom Umbruch und Wandel Chinas erzählt – gesellschaftlich sowie auch politisch. Ich glaube, dass ich dem Buch unbedingt Einzug in meine Schatzhalle gewähren lassen muss, genauso wie dem Folgeroman von „Herzenhören“. Mit „Herzenstimmen“ werde ich gewiss weiter träumen können.Ich lese und kann den Herzschlag hören, den von Mi Mi, Tin und meinen, doch die Geschichte beginnt in New York. Julia Win ist fest entschlossen ihren Vater zu finden. Ein Brief gibt womöglich erste Hinweise über sein Verschwinden und führt sie nach Birma/Myanmar. Ausgerechnet in dem Teehaus, wo sie kurz pausiert, trifft sie auf jemanden der, so scheint es, ihre Ankunft bereits erwartet hat. Schockiert ist sie, als der Alte sie bei ihrem Vornamen nennt. Er erklärt ihr unter anderem, dass er vier Jahre auf sie gewartet hat. Irgendwie beängstigend, oder nicht?

„Mein Leben neigt sich langsam, und ich habe noch eine Geschichte zu erzählen, eine Geschichte, die für Sie bestimmt ist. Sie lächeln. Sie halten mich für übergeschnappt, für ein wenig verrückt oder zumindest sehr verschroben? Dazu haben Sie jedes Recht. Nur bitte, bitte, wenden Sie sich nicht ab. Das alles mag rätselhaft und sonderbar für Sie klingen, und ich gestehe ein, dass mein Äußeres nicht dazu angetan ist, Ihr Vertrauen zu erwecken. Ich wünschte, ich hätte strahlend weiße Zähne wie Sie und nicht diese braunen Stummel im Mund, die nicht einmal mehr zum Kauen richtig taugen, diese Trümmer eines Gebisses.“ S.10Der alte Mann heißt U ba. Und so merkwürdig diese Begegnung auch uns Lesern erscheinen mag, so ist es, als würde man selbst in diesem Teehaus sitzen und seiner Geschichte lauschen. Und spätestens als er Jules Lieblingsgeschichte von der Prinzessin und dem Krokodil erzählt, von der eigentlich nur sie, ihre Mutter und ihr Vater wissen, hat U ba – auch wenn Julia sich das erst nicht eingestehen mag – ihre Gunst des Zuhörens erlangt. Doch nicht nur ihre! Wahrlich ist das ein magischer Moment, worauf noch viele folgen. Geradezu märchenhaft!

Jan Philipp Sendker erzählt uns eine fiktive Liebesgeschichte, dabei lässt er auch die Eindrücke seiner Burma Reisen auf poetische Weise so mit einfließen, dass der Leser gedanklich mitreist und die Umgebung so wahrnimmt, wie er sie wahrgenommen hat. Gewiss, manches scheint ein wenig realitätsfern und fremd zu sein, dass es schwer fällt zu Glauben. Aber das Herzenhören hat eine viel tiefere Bedeutung. Eine die viel Fingerspitzengefühl erfordert und mit solch einer Sensibilität beschrieben wird, dass es mich zutiefst berührt hat. Doch, ich glaube ganz fest an eben solche magischen Herzensgeschichten – an Momente, die sich tief in unsere Herzen einbrennen.

Lest das Buch im Garten oder im Urlaub, am besten an einem sonnigen Tag im Grünen, denn das ist die schönste Zeit zum träumen und verreisen. Und zum nachdenken!

Liebe Grüße,

eure Tanja

Jan-Philipp Sendker, Das Herzenhören,Roman, 287 Seiten, Heyne Verlag, ISBN: 3453410017

Veröffentlicht von Tanja

Bücher lesen, fotografieren, Musik hören, das Meer - das brauche ich wie die Luft zum atmen.

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