Ein Karnickel und sein Schnüffler – Roger Rabbit

Roger Rabbit

1988 sah die Welt noch völlig anders aus. Der „Kalte Krieg“ war trotz begonnenem Tauwetter nicht zuende, die Mauer trennte noch immer Ost und West und die Kinos profitierten vom polititschen Tauziehen zwischen den Supermächten. Es war die Zeit der großen Actionfilme und -helden. Stallone, Schwarzenegger und Willis hielten mit ihren Filmen die Welt in Atem und sorgten für unglaubliche Zahlen an den Kinokassen. Doch es gab auch Filmemacher wie Robert Zemeckis. Bereits mit seiner Zeitreise „Zurück in die Zukunft“ traf er den Nerv – nicht nur im heimischen Amerika. Es war die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“. Die 50er Jahre wurden oft als eine schöne Epoche angesehen. Der Rock ´n Roll sorgte für „wahnsinnig gewordene Teenager“ und die Stars dieser Tage, wie z. B. Marilyn Monroe oder James Dean, wurden in den 80er Jahren zum Kult.

Daher verwundert es nicht, dass die vermeintlich „leichte Unterhaltung“ oftmals dem brachialen Zeitgeist der 80er vorgezogen wurde. 1981 erschien ein Comic, welchen Zemeckis unbedingt auf die große Leinwand bringen wollte. Mit seinem Freund und Partner Steven Spielberg als Produzenten machte er sich daran, dieses Projekt erfolgreich in die Tat umzusetzen. Was nun entstand mag in den heutigen Tagen ein wenig Schmunzeln auslösen. 1988 jedoch, am Tag der Premiere von „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, waren die Kinos bis auf den letzten Platz besetzt.

Ich war noch ein junger Schüler und kann mich gut an die Zeit erinnern, da auch meine Freunde und ich von dieser Art Film begeistert waren. Es war etwas völlig Neues. Noch nie hatten wir einen Mix aus Trickfilm und realer Umgebung im Kino sehen können. Ich weiß noch, wie einige Klassenkameraden zu Beginn unseres Unterrichts mit neuen Panini-Sammelalben zum Film auftauchten. Jessica war äußerst beliebt! Aber auch die Gespräche auf dem Schulhof drehten sich oft um diesen „Streifen“, welcher seit einigen Tagen in unseren Kinos lief. Oha – wie lange lagen wir unseren Eltern in den Ohren, sie mögen doch bitte die Karten organisieren, damit auch meine Geschwister und ich in den Film gehen können. Eines Tages war es soweit und meine ältere Schwester stand in der Tür. Allerdings veriet bereits ihr Blick, dass es keine tollen Nachrichten geben würde. Die FSK stufte den Film damals auf eine Freigabe „ab 12“ ein, womit mein Bruder und meine Schwester das Nachsehen gehabt hätten. Mein lieber Scholli – was waren wir sauer! Da kommt ein Film in die Kinos, in welchem bekannte „Persönlichkeiten“ aus der uns bekannten Trickwelt stammen und nun scheitern wir bereits im Vorverkauf an der Hürde dieser „Bürokraten“? Skandalös! Dass wir einige Zeit später doch noch den Film via VHS genießen konnten, lag an unserem furchtlosen Schwager und der notwendigen Geduld. Als Trostpreis erhielten wir ein Filmheft, welches eigentlich nichts anderes war, als der tragische Versuch eines Verlages, die Story des Films als Fotoband für jüngere Fans von Bugs Bunny & Co. zugänglich zu machen. Peinliche „Zwischenfälle“ sollten sich im späteren Verlauf auf dem Schulhof abspielen. Da ich gern als „Zitator“ unterwegs gewesen bin und unglaublich viele (wirklich – uuuuunnnnglaublich viele!!!) Filme Wort für Wort wiedergeben konnte, war die Enttäuschung groß, als mein Versuch ein erfolgreiches Zitat aus dem Film zu nennen scheiterte. Gucken durfte ich ihn ja leider nicht. „Was? Das hat Roger nie und nimmer gesagt, Olli! Du spinnst ja!“ – „Hast Du den Film überhaupt gesehen?“ Beschimpfungen und wilde Kämpfe waren die Folge.

Doch kommen wir lieber zurück zum eigentlichen Grund dieses Beitrages! Alte „Wunden“ müssen ja nun wirklich nicht wieder geöffnet werden.

Als Hauptdarsteller engagierte Robert Zemeckis den beliebten Darsteller Bob Hoskins, welcher in zahlreichen Produktionen bereits aufgetreten war. Für ihn war es schlussendlich ein Neubeginn in seiner Filmkarriere. In den nächsten Jahren sollte er noch einige erfolgreiche (aber auch weniger erfolgreiche) Filme drehen.

Worum geht es eigentlich in diesem Film und warum wurde er zu so einem zeitlosen Werk?

Da ist natürlich die Story. Roger Rabbit, ein Star in der Welt der „Toons“, wird wegen Mordes gesucht. Vor dem Mordanschlag erhielt Roger ein paar aufwühlende Fotos des Privatdetektiven Valiant, auf welchem Rogers Ehefrau scheinbar eine Affäre mit dem Förder Toontowns Acme hatte. Hat dieses erfolgreiche Karnickel womöglich doch seine Pfoten im Spiel? Ist er wirklich der Täter?

Valiant selbst möchte mit Toontown und seinen lustigen Einwohnern nichts zu tun haben. Dies war nicht immer so! Er und sein Bruder waren gern in der bunten Stadt der Zeichentrickhelden, doch ein Mordanschlag verändert seine Sicht- und Denkweise. Er beginnt zu trinken und kann einer gezeichneten Figur nichts mehr abgewinnen. Während der Ermittlungen stellt er jedoch fest, dass womöglich eine größere und dunklere Macht hinter dem Attentat auf Acme steckt. Seine Spürnase ist geweckt. Zusammen mit Roger und seiner Frau Jessica Rabbit versucht er Licht ins Dunkel zu bringen. Was folgt ist ein flotter Spaß, welcher vor allem den älteren Zuschauern gefallen wird. Erinnerungen sind schon was feines!

Mit Christopher Lloyd und Bob Hoskins stehen sich zwei großartige Schauspieler als Gegner gegenüber. Der finstere Richter Doom – allein der Name sagt alles – und der zweifelnde Schnüffler könnten auch in einer reinen Real-Verfilmung ihr Tagewerk verrichten. Doch das allein reicht für einen „kultigen Streifen“ nicht aus. Roger und Jessica Rabbit stechen, neben den unzähligen Trickfilmstars, aus der Masse heraus. Der Blödelbarde Roger und die kurvige Jessica passen zwar optisch nicht zwangsläufig ins Bild eines „Traumpaares“, doch darum geht es letztlich nicht. Vielmehr transportiert der Film die Hoffnung, dass auf Finsternis das Licht folgt. Deutlich wird dies natürlich im Wandel des Detektiven Valiant. Er schließt zum Ende Frieden mit den einst liebgewonnenen Toons. Der neue Lebensmut ist ansteckend und hinterlässt einen zufriedenen Zuschauer.

Das Szenario, nämlich ein fiktives L. A. im Jahre 1947, tritt nicht in den Vordergrund, doch dieser „Geniestreich“ passt zur damaligen Welt. So waren doch die 70er und 80er Jahre recht trostlos und die politische „Großwetterlage“ mehr als angsteinflößend. Warum sollte man dann nicht als kreativer Kopf den Sprung wagen und eine Geschichte in einer Zeit spielen, in welcher die Menschen weniger gehetzt, verängstigt und besorgt waren? Gut gemacht, Robert Z.!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


%d Bloggern gefällt das: