“Die Kinder des Gral” von Peter Berling

Chateau de Montsegur

Montségur war eine der bedeutensten und letzten kartharischen Festungen im Südwesten Frankreichs. Als die Katharer durch die Belagerung des königlichen Senneschals (der Chronik nach im Jahr 1244) kapitulierten, wurde der von König Ludwig IV. entsandte Franziskaner in einen Hinterhalt geführt und mit verbundenen Augen von unbekannten Rittern entführt. Als sie sich zu erkennen gaben, drohte man ihn zu töten, wenn er sie verraten würde. Es begann eine abenteuerliche und gefährliche Flucht, die den flämischen Franziskanermönch Willem von Roebruk, den deutschen Templer Sigbert von Öxfeld (Orden der deutschen Schwertbrüder), dem Tempelritter Crean de Bourivan und die Kinder des Grals, die später (weil er sich verantwortlich fühlt) dem Schutz von Willem unterliegen, bis ins Heilige Land führen sollte. Die Erben des Grals sind königlicher Abstammung. Sie gerieten zwischen die intrigantischen Mächte des Kaisers Friedrich II, dem Papst Innozenz IV, die Katharer, den christlichen Templern und den Assassinen; denn nur mit dem Schicksal dieser Kinder war es möglich, die Weltherrschaft zu erlangen.

Chateau de Montsegur

Das westliche Ende des Kamms und zugleich die Spitze des Montségur mit der im späten 13. Jahrhundert errichteten Burg. Quelle: Wiki

Die Hetzjagd auf die Katharer (Ketzer) ging mit dem Fall von Montségur weiter. Es folgte die Inquisition durch Folter. Mit einem Minorit ungehindert durchs Land zu reiten, würde weniger Aufmerksamkeit auf die christlichen Templer ziehen und so kam es zu der Entführung von Willem von Roebruk, die so spannend geschrieben ist, das man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Erst durch die Templer trifft der Mönch auf die Erben des Grals. Zeitgleich bekommt Ludwig II. eine Nachricht vom Sultan zugestellt, aus der hervorgeht, dass Jerusalem kurz vor dem Fall steht. Ludwig II. entsendet daraufhin seine Truppen.

Das Fiktive ist so gut mit dem historischen Hintergrund verknüpft, dass ich dachte, die Personen hätten damals wirklich (neben den REALEN Personen der Geschichtsschreibung) existiert. Als Leser muss man, besonders wegen der vielen Namen und der Zugehörigkeit der verschiedenen Mächte, sehr viel Geduld mitbringen, bis man sich eingelesen hat. Weil ich mir zu Beginn über das Internet und dem Namensverzeichnis im Buch, ein paar hilfreiche Notizen gemacht hatte, konnte ich die Geschehnisse wesentlich besser verinnerlichen.

Die Sprache ist in der zeitlichen Epoche angesiedelt, in welcher die Geschichte stattfindet. Der erste Handlungsstrang wird über den ICH Erzähler Willem von Roebruk erzählt. Eine Form die mir, aufgrund der Fülle von Berlings Informationen, als erster Anhaltspunkt diente. Hilfreich sind auch die Karten des mittelalterlichen Europas, an denen ich mich oft orientierte. Peter Berling hat dabei sämtliche zeitgenössische Chroniken berücksichtigt. Wenn man sich zu Beginn die Anmerkung des Autors durchliest, weiß man schon mal, dass Berling zahlreiche Fremdwörter und Idiome in “Die Kinder des Gral” mit einfließen ließ, die im Anhang genauer erläutert werden.

Der Roman “Die Kinder des Gral” lässt sich nicht an einem Tag durchlesen, aber es lohnt. Von allen historischen Büchern, die ich bis jetzt gelesen habe, ist dies das am besten recherchierte. Zugegeben – ich war zunächst durch die Namen und die Bischöfe der verschiedenen Glaubensrichtungen verwirrt und musste für mich selbst “zusammen klambüsern”, wer denn nun zu wem gehört. Hat man das für sich gemacht, dann ist man im Hochmittelalter angelangt und kann die Geschichte mit Hochspannung und sehr viel historischem Hintergrundwissen genießen und verfolgen.

Wer gerne als “Sherlock Holmes der Geschichte” durch die Epochen wandern möchte, wird Peter Berling und sein Werk sicherlich liebend gern in seine persönliche Bibliothek aufnehmen. Unheimlich viele “Denkanstösse” und das Nachschlagen von Ereignissen in dieser Zeit gehören einfach dazu, wenn man Berling kennengelernt hat!

Veröffentlicht von Tanja

Bücher lesen, fotografieren, Musik hören, das Meer - das brauche ich wie die Luft zum atmen.

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