Takis Würger und sein Debütroman Der Club
Romane

Die Auserwählten – Der Club. Takis Würger

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28. Mai 2017

Wenn man die Chance erhält, einen der begehrten Plätze an einer Eliteuniversität zu erhalten, würden die meisten von uns sicherlich nicht lange warten und zusagen. Doch Hans, der Protagonist dieses Romans, sieht dies ein wenig anders. Seine Reise durch diesen Irrgarten vergleiche ich mit einer Fahrt auf der Autobahn. Zu Beginn sieht man ein Verkehrsschild, auf welchem steht, wie weit das gewünschte Ziel entfernt ist. Das Tempo nimmt zu, die Fahrt zieht sich über viele Kilometer und wenn man nach einiger Zeit das Gefühl bekommt, bald am Ziel angelangt zu sein, kommt wieder ein nüchterner Hinweis eines Verkehrsschildes und man bemerkt, dass sich diese Reise noch einige Zeit hinziehen wird.

Nun mag die Vermutung im Raume stehen, dass diese Erzählung schwerfällig oder gar langweilig daherkommt. Doch diese „Autobahnfahrt“ (um bei diesem Bild einmal zu bleiben) ist alles andere als langweilig.

Hans Stichler wächst in bescheidenen Verhältnissen auf. Seine Eltern haben sich für ein Leben abseits der „normalen“ Lebensweisen entschieden und ein kleines Haus inmitten eines Waldes für sich entdeckt. Hans´ Mutter scheint die Natur und die damit verbundene Ruhe zu genießen und überträgt dies auf ihren jungen Sohn. Doch ein schwerer Schicksalsschlag sorgt schlussendlich dafür, dass dieses Glück nicht lange anhält.

Einige Jahre später, Hans ist mittlerweile in einem Internat untergekommen, nimmt seine Tante Kontakt zu ihm auf. Sie ist eine Halbschwester seiner Mutter und lebt und arbeitet in Cambridge. Sie bittet um einen Gefallen; wohlwissend, dass Hans dieser Bitte nachkommen wird. Auch wenn Hans zu Beginn berechtigte Zweifel hegt, willigt er ein. Nie hätte er gedacht, dass die darauffolgenden Ereignisse so gewaltig über ihn hereinbrechen würden und welchen Einfluss diese auf sein weiteres Leben haben werden. Ein Studium in Cambridge ist alles – aber mit Sicherheit nicht langweilig.

„Ich spielte nie. Ich verbrachte meine Zeit damit, die Welt zu beobachten.“

Bildquelle/ Flickr: Boxkeller der Ritze (HH)| by sven heinemann

Studentenverbindungen haben an den unterschiedlichen Standorten der sogenannten Eliteuniversitäten einen Kultstatus eingenommen. Cambridge, Oxford, Yale – diese Namen sind nicht nur mit den großen Akademikern, Wissenschaftlern und Politikern in Verbindung zu bringen, die an diesen Häusern studierten. Es sind die einzelnen Colleges, die unter diesem Dach vereint sind. Wo junge Menschen studieren und arbeiten und sich in Studentenvereinigungen organisieren. Wie in jeder Gemeinschaft trifft man auch hier unterschiedliche Interessengruppen, die gern unter sich bleiben. In Takis Würgers Roman wird das Bild einer besonderen Organisation nachgezeichnet, welche nur einer besonderen Klientel offensteht. Der „Pitt Club“ ist eine Organisation von Snobs. Anders kann ich mir diese Verbindung nicht erklären. Chauvinistisch, eitel und heuchlerisch treten ihre Mitglieder auf. Ludwig der XIV. hätte sich in dieser Riege sicher unheimlich wohl gefühlt. Doch diese Verbindungen sind auch loyal und fest miteinander verbunden. Störungen von Außen sind nahezu undenkbar und werden bestmöglich verhindert. Der Club schützt sich – selbst bei schwerwiegensten Verfehlungen. Selbst Straftaten scheinen hier möglich zu sein, ohne dass einem Mitglied der Prozess gemacht werden könnte.

Beim Lesen gefiel mir bereits zu Beginn der Aufbau des Autors zu dieser Erzählung. Die Handelnden in diesem Roman kann man an zwei Händen abzählen. Die Kapitel werden nicht einfach durchnummeriert; jeder einzelne Charakter bekommt hier die Möglichkeit zur Stellungnahme. Der Titel „Der Club“ spiegelt diese Abschottung zum Schutz der Gemeinschaft ebenso gekonnt wieder. Während dieser „Fahrt“ war mir persönlich lange Zeit nicht klar, wo diese Reise enden würde. Umso größer war das Finale für mich. So wünsche ich mir eigentlich jede gute Erzählung. Takis Würger hat hier eine Premiere auf die Beine gestellt, die es in sich hat. Sein erster Roman ist spannend, nebulös und teilweise sogar schockierend. Hans Stichler ist ein Ball im Ränkespiel der Mächtigen – eine Puppe, die von unbekannten Kräften gelenkt und gesteuert wird. Doch schließlich ist es sein Auftreten und sein Engagement, welches seine eigenen Ketten löst und den Blick auf die Ereignisse klärt. Ein gelungenes Erstlingswerk!

der club von takis würger

Takis Würger, geboren 1985, ist Journalist, Spiegel Redakteur und Autor. Mit 28 ging er nach England, um an der Universität von Cambridge Ideengeschichte zu studieren. Wie Hans Stichler boxte er als Schwergewicht für den Cambridge University Amateur Boxing Club und wurde Mitglied in geheimen studentischen Clubs, wie dem Pitt Club. Sein Roman „Der Club“ wurde 2017 mit dem Silberschweinpreis den Debütantenpreis der lit.Cologne ausgezeichnet.

Rezensionen anderer Blogger, Berichte und Interviews:

Spiegel. Takis Würger.Warum ich aus Cambridge abgehauen bin

(Online Magazin) Im Gegenteil. Takis Würger, Der Club + Interview

Takis Würger, Der Club, 240 Seiten, ISBN:978-3-0369-5753-1, erschienen im Kein & Aber Verlag

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