Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Der hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand

Was macht man in einem Multimedia Fachgeschäft wenn man auf den Mann wartet? Ein Buch kaufen. Denn dort liegen neuerdings auch Bücher aus. Wohl wahr, die Auswahl ist nicht groß, und der Kauf war demzufolge schnell und spontan entschieden.

Die Erfolgsgeschichte des aus Schweden stammenden Autors Jonas Jonasson, startete mit dem Verkauf seiner Medien-Consulting Firma. Er zog sich in den Schweizer Kanton Tessin zurück und begann zu schreiben, daraus entstanden ist sein vielfach ausgezeichnetes Debüt „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Der enorme Erfolg in Deutschland rührt allerdings auch daher, dass Wibke Kuhn mit ihrer Übersetzung aus dem schwedischen ins deutsche, hervorragende Glanzarbeit leistete. Wahrscheinlich ist es das skurrilste, unterhaltsamste und humorvollste Buch, welches ich je gelesen habe. Wenn man während des Lesens Tränen lacht, dann muss das so sein.

Der hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand

Der Zufall bestimmt den Weg.

In Rückblenden lässt uns der Autor an Allan Karlssons verkorkstem, darüber hinaus höchst interessantem Leben teilhaben. Es ist die Geschichte eines talentierten Lebenskünstlers, der keine politischen Ambitionen hegt, aber zeit seines Lebens durchweg mit politischen Fragen und Ereignissen konfrontiert wird. Er ist ein Mann für den selbst die Bergpässe des Himalayas kein unüberwindbares Hindernis darstellt. Denn es ist wie es ist und kommt wie es kommt. Seinen hundertsten Geburtstag mit dem Stadtrat, und die nervigen Regeln im Altersheim gehen Allan so sehr gegen den Strich, dass er auf seine alten Tage den Entschluss fasst abzuhauen.  Unterwegs entwendet der Alte den Koffer einer zwielichtigen Gestalt. Dieser jemand ist, wie sich später herausstellt Mitglied einer berüchtigten Gang.  Die Bekanntschaft und spätere Freundschaft mit dem Kleinkriminellen Julius Jonsson und die gemeinsame Inspizierung des Kofferinhalts, erweist sich als wahrer Glücksgriff. Desweiteren wird das Gefolge des Zweiergespanns durch die Wegkreuzung mit einem Imbissbesitzer, sowie durch ´die schöne Frau` und der Elefantendame Sonja erweitert. Man könnte sagen, sie haben sich gesucht und gefunden. Und weil die Freunde  wegen des Koffers nicht an Ort und Stelle verbleiben können, planen sie gemeinsam die weitere Vorgehensweise ihrer abenteuerlichen Flucht. Besonders nach folgendem Zeitungsausschnitt:

Polizei hegt Verdacht:
Hundertjähriger von krimineller
BANDE
ENTFÜHRT
HEUTE Jagd auf
Meisterdieb

Es folgte ein Durcheinander aus Informationen und Zeugenaussagen. Allan Karlsson war an einem Busbahnhof in Malmköping beobachtet worden, wo er den Bus nach Strängnäs bestiegen hatte, was wiederum den Mann von „Never Again“ wütend gemacht hatte. Das ganze Durcheinander ging damit weiter, dass Allan Karlsson gestern auf einer Draisine im tiefsten Wald von Sörmland gesichtet worden war, zusammen mit dem Meisterdieb Jonsson und dem zuvor noch wütenden Never Again Mitglied. [..] S. 109

Ihren Verfolgern ist die Gruppe immer einen Schritt voraus. Ob das so bleibt?

Wie der Autor Jonas Jonasson all seinen Ideenreichtum und ein ganzes Jahrhundert so gekonnt verpackt, dass „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“ zu keiner Zeit unnötige Längen aufweist und Jonasson für jeden seiner liebenswerten und schrulligen Charaktere eine ganz eigene kleine kuriose Geschichte zu erzählen weiß, ist grandios. Ich schloss diesen pikaresken Roman mit gutgelauntem Schmunzler und bedauere nicht das Ende, aber das Ende aller Bücher bei denen man sich wünscht, sie würden nie enden. Das ist die Tragik eines köstlichen und einzigartigen Leseerlebnisses.

x Autor/in: Jonas Jonasson
x Titel: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
x Genre: Roman
x 416 Seiten
x btb (Verlagsgruppe Randomhouse)
x ISBN: 9783442744923

Veröffentlicht von Tanja

Bücher lesen, fotografieren, Musik hören, das Meer - das brauche ich wie die Luft zum atmen.

2 Kommentare

  1. Freut mich, dass es dir gefallen hat! Der Hundertjährige ist definitiv immer noch einer meiner Lieblingscharaktere! Mal sehen, ob ich noch dieses Jahr den Nachfolger lese…liebe Grüße!

  2. Hallo Cara,entschuldige dass ich mich erst jetzt melde. Wir hatten einen Providerwechsel und waren ca. eineinhalb Wochen ohne Internet. Aber wir haben diese Zeit einigermaßen gut überbrücken können – mit lesen, ausgedehnten Spaziergängen, fotografieren usw. 🙂 Mir wird der Hundertjährige auch sehr lange im Gedächtnis bleiben. Keine Ahnung wann mich ein Buch (ein Charakter) zuletzt so sehr ämüsieren konnte. Ich bin gespannt ob der Autor uns mit „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ genauso verzücken kann. Aber bevor ich zugreife, werde ich noch ein paar Meinungen abwarten. Besonders weil Denis Scheck vor kurzem, durch seine scharfe Kritik, meine aufkeimende Neugier zum neuen Roman mit einem Fingerschnips einfach so verpuffen ließ.Wenn du das Buch gelesen hast, lass es mich unbedingt wissen.Ich wünsche dir einen schönen Sonntag.Liebe Grüße,Tanja

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