„Der Hobbit“ oder wie ich Mittelerde neu entdecken durfte!

Herbstliches Wetter – Sturmböen und Regen, welcher mit einem wahren Trommelfeuer auf die Scheiben prallt. Die Begebenheiten fand ich vor, als ich mich das erste Mal nach Mittelerde begab. Unsere Schulbibliothek bot damals ein reichhaltiges Angebot an fantastischer Literatur und ich war ein oft (und auch gern) gesehener Gast. Die Bibliothekarin freute sich stets, da ich immer auf sie zukam, um nach neuen Abenteuern zu fragen. Eines Tages, eben an diesem besonders stürmischen Tag im Dorf Holle, kam der „begossene Pudel“ in die Grundschulbibliothek hereingestolpert. Ich musste breit grinsen – schließlich erinnerte mich die Situation an eine Szene aus einem Buch, welches sich in meiner Tasche befand – „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende.

Nun stand ich da, nass bis auf die Knochen und breit grinsend. „Wenn dir dieses Buch so gefallen hat, könntest du auch das mögen, Olli!“ Mit diesen Worten reichte mir diese sympathische Frau ein Buch, welches mir bereits auf den ersten Seiten unglaublich viel Spaß bereiten sollte. „Der Hobbit“ von J. R. R. Tolkien hat alles, was ein „Fantasy-Roman“ haben muss. Helden und Schurken, die klare Linie zwischen Gut und Böse, eine große Opferbereitschaft einer Gruppe von Gefährten, Zauberer und noch unglaublich mehr. Tja, wo fange ich an?

Der Hobbit und meine Geschichte

Im Frühjahr hatte die liebe Kathrin von Phantasienreisen am Klett-Cotta Stand der Leipziger Buchmesse „Die Karte von Beleriand“ entdeckt und hat sie zusammen mit ein paar netten Lesekostproben, Messeluft und Lesezeichen zu uns in den Leuchtturm geschickt. Das war wahrlich eine gelungene Überraschung. Danke Kathrin!

„Was wir einmal mit Vergnügen gelesen haben, lesen wir immer wieder gerne.“ – Horaz

Als ich „Der kleine Hobbit“ in den Händen hielt, war ich allein vom Buchcover fasziniert und neugierig geworden. Da hockte ein großer Drache mit völlig verdrehten Augen, während ein kleiner Wicht auf seinem Rücken tanzte. Die Ausgabe aus dem Jahr 1971 erschien im Georg Bitter Verlag und war vermutlich ebenso lang in den Regalen unserer Bibliothek zu finden. Die „gute Seele“ unserer Schule sollte mit ihrer Vermutung schlussendlich richtig liegen. Mir gefiel das Buch von Beginn an.

Einige Jahre später stolperte ich wieder über den „Hobbit“ und wieder begann ich meinen Marsch ins Nebelgebirge, in den Düsterwald und zur Seestadt. Mein Hormonhaushalt wurde in dieser Zeit gehörig durcheinander gebracht, aber die Faszination für Fantasy, SciFi- und Abenteuergeschichten ließ nie nach. Auch wenn einige Jahre nach meinem ersten „Trip“ vergangen waren, war dieses Buch wie eine Rückkehr in bekannte Gefilde.

Nun sind wieder einige Jahre durch´s Land gezogen. Mein Haupthaar hat den Rückzug angetreten, die körperliche Fitness darf als „ausreichend“ bezeichnet werden und von der prägenden Schulzeit bleibt das übrig, was ich wohl mit den meisten Lesern teile: eine verblassende, aber schöne Erinnerung.

Douglas A. Anderson ist es schließlich zu verdanken, dass ich zum wiederholten Male zum Erstlingswerk eines angesehenen Professors aus England greife. Nun jedoch in einer völlig neuen Art und Weise. „Das große HOBBIT Buch“ bietet nicht nur die wunderbare Geschichte des Bilbo Beutlin und seiner Gefährten. Es bietet einen tiefen Einblick in den Schaffungsprozess. Tolkien und sein Leben, seine Erzählungen und seine unerschütterliche Liebe für Sprache und Dichtung erhalten ebenso viel Raum in diesem wundervollen Band, wie die zahlreichen Illustrationen aus den unterschiedlichen Ländern, in welchen „Der Hobbit“ veröffentlicht wurde. Unter der breiten Leserschaft ist man sich hinlänglich darüber einig, dass „Der Herr der Ringe“ zum größten Werk Tolkiens zählt. Anderson zeigt in seinem Buch jedoch auf, dass eben dieser erste Roman den Kern, den Beginn, einer wunderbaren Reise darstellt.

Noch nie habe ich so lange lesen, blättern, staunen und auch grübeln dürfen, während ich mich langsam von Seite zu Seite durcharbeitete. Unzählige Querverweise, Fußnoten und teils hinreißende Anekdoten werden hier aufgezeigt. Der Respekt und die Achtung für einen genialen Erzähler werden durch Andersons Recherchen und zusammengetragenen Berichten besonders hervorgehoben. Ich kann diese Meinung aus tiefstem Herzen teilen.

Anderson hat nicht nur meine „Reiselust“ auf Mittelerde neu entfacht. Es sind die vielen „Randgeschichten“ und Hinweise auf das Leben eines Mannes, der in vielen Publikationen bereits beleuchtet worden ist. Anderson selbst schafft es in Verbindung mit dem Hobbit als „roten Faden“ diesen Lebensweg nachzuzeichnen.

„Das große HOBBIT Buch“ ist nicht zwangsläufig als Nachschlagewerk zu verstehen. Ebenso wenig wird man diesen Band „mal eben schnell“ lesen können. Selbst der größte Anhänger Mittelerdes muss tief einatmen und mit „beutlinischer Ruhe“ zu Werke gehen, um dieses Werk meistern zu können. Doch diese Geduld zahlt sich aus.

Das große Hobbitbuch, 419 Seiten (illustriert), Autor: J.RR. Tolkien / Douglas A. Anderson, Übersetzung: Wolfgang Krege, Klett-Cotta Verlag, ISBN 978-3-608-93714-5

Interessante Links: Klett Cotta Blog – Das große Hobbitbuch ist eben angekommen,  Wortstarke Kritiken  (Nachtrag: Die Seite ist leider nicht mehr aktiv!)

4 Kommentare

  1. Hallo ihr beiden!

    Eure Sommerpause ist vorbei – ihr ahnt nicht, was für einen schönen Start ihr mir damit in den Freitagmorgen bereitet habt! Ich freue mich so, wieder etwas von euch zu lesen. Und man merkt, dass euch die Pause gut getan hat: Ollis Beitrag sprudelt über vor Leidenschaft und Begeisterung für Bücher und vor allem für den Hobbit! Es hat mir ungemein viel Spaß gemacht, den Beitrag zu lesen und ich saß mit breitem Grinsen über diesen Zeilen.

    Ich muss ja gestehen, dass wir zwar mehrere Ausgaben des „Hobbit“ im Regal haben, ich das Buch bisher aber noch immer nicht gelesen habe. Nun habe ich darauf aber richtig Lust bekommen und vielleicht greife ich noch dieses Wochenende zu einem Exemplar…

    Ganz liebe Grüße aus Südwestfalen
    Kathrin

    • Hey Kathrin! Tanja und ich grüßen dich aus dem hohen kühlen Norden! „Sommerpause?“ Ganz ehrlich: Wir hatten einfach „kein Bock“ und wollten nur lesen und faul abhängen. 😉 Eine Pause war eigentlich nicht geplant, aber bei der Vielzahl an Büchern, die Tanja in den letzten Monaten „abschleppte“, konnte ich selbst nur noch mit dem Kopf schütteln. Irre! Wenn sie so weitermacht, können wir eine eigene Buchhandlung aufmachen. Wäre sicher ein lustiges Bild: Zwei Nordlichter mit unterkühlten Nasen hocken vor einem Leuchtturm und warten auf Kundschaft. Aber bitte mit Kaffee – die Sache mit dem Tee hab ich nie verstanden. Ganz liebe Grüße senden dir Tanja und Olli! 😉

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