[Challenge] Gesammelte Schätze 2015 – Januar

Gesammelte Schätze 2015

Der Jahresstart verlief, auch was das Lesen angeht, anders als geplant. Was wollte ich nicht alles lesen. Dabei hätte der Beginn meiner Reise mit „Grasharfe“ nicht besser verlaufen können. Und sowieso, ich wünschte ich hätte wie Herr Wunderlich einen Wutberg in der Nähe, wo ich meine üble Laune über Pegida, radikale Islamisten, den Krieg in der Ukraine, meine Verunsicherung über den festgesetzten Leitzins der EZB und dessen unüberschaubare Folgen  in die Welt hinausbrüllen kann, aber hier gibt es keine Berge. Nur ungelesene und zur Hälfte gelesene Bücherberge. Also löste ich ein Ticket ein um ´ich weiß nicht wohin zu fahren`. In Richtung Norden sollte es jedenfalls gehen, mit einem traurigen Mann, der alles dem Zufall überlässt. Leider verliert die Geschichte zwischendrin an Fahrt. Ich sehnte mich nach ein bisschen mehr von Allem, sehr originell finde ich die Story bis jetzt nicht. Wie Wunderlich ist? Sigmund Freud sagte einst: „In dem Augenblick, in dem ein Mensch den Sinn und den Wert des Lebens bezweifelt, ist er krank.“

Bevor ich mit den Schätzen beginne möchte ich noch mal deutlich machen, wie sehr ich mich darüber freue, dass Kathrin dieses Jahr das Ruder in die Hand genommen hat.

Nun, ich habe mir fest vorgenommen jeden Monat meine Schätze zu notieren und über ein Posting im Lese-Leuchtturm zu veröffentlichen, gelegentlich auch mit Fotos vom Notizbuch. Ich bin guter Dinge, dass ich mein Vorhaben nicht breche. Beginnen möchte ich mit zwei Filmzitaten – einfach, weil ich von Sonntag auf Montag beim Super Bowl 2015 die Partie zwischen den New England Patriots und  den Seattle Seahawks vom Fernseher aus beobachtet hatte. Tagsdarauf war die Begeisterung von diesem spannenden Spiel immer noch so groß, das wir uns einen schönen DVD Abend mit „The Blind Side“ machten. Begeistert bin ich auch von mir selber. „Aha“, sagte ich zu Olli. „Hab´ jetzt kapiert was Interception oder Incomplete Pass bedeutet.“  Aber vom Rest habe ich ehrlich gesagt null Plan. American Football hat mich nie sonderlich interessiert, aber seit Sonntag bin ich irgendwie im Fieber. Nie hätte ich mit diesem Sinneswandel gerechnet. Und nun zu den Filmzitaten. Die Geschichte von Michael Oher „The Blind Side“ berührt, egal wie oft man sie liest oder anschaut.

»Vorwärts, Leichte Brigade, vor«
leichte brigade, der siegespreis
ist heute hoch,ist heute heiß,
aber kein murren, nicht laut, nicht leis,
keines, obwohlen ein jeder weiß,
’s ward irgendwo geblundert –
vorwärts; sie fragen und zagen nicht,
vorwärts; sie wanken und schwanken nicht,
vorwärts, gehorchen ist einzige pflicht,
ins todestal,
in voller zahl,
reiten die sechshundert.

 

„Ich seh mich um und was sehe ich? Weiß. Überall. Weiße Wände, weiße Böden und jede Menge weiße Menschen. Die Lehrer haben garantiert keine Ahnung, dass ich nicht weiß, wovon sie reden. Ich will auf niemanden hören, schon gar nicht auf Lehrer. Sie geben mir Hausaufgaben auf und erwarten von mir, dass ich die Aufgaben allein löse. Ich habe noch nie im Leben Hausaufgaben gemacht. Ich gehe auf die Toilette, sehe in den Spiegel und sage:’Das ist nicht Michael Oher.‘

 

Michael Oher schrieb ein Essay über The Charge of the Light Brigade von Alfred Lord Tennyson. Das Gedicht wurde von Theodor Fontane ins Deutsche übersetzt und trägt den Titel Balaklawa.

 

„Mut ist eine Sache, die man nur sehr schwer verstehen kann. Man kann Mut haben, der auf einer dummen Idee oder einem Fehler beruht. Aber man darf die Erwachsenen nicht fragen oder deinen Coach oder deinen Lehrer, weil sie die Regeln machen. Vielleicht wissen sie es besser, vielleicht aber auch nicht. Es kommt nur darauf an, wer du bist, wo du herkommst. Hat nicht wenigstens einer von den 600 daran gedacht, aufzugeben und sich der anderen Seite anzuschließen? Ich meine, das Todestal, das ist schon ne richtig heftige Nummer. Deswegen ist das mit dem Mut so vertrackt. Sollte man immer das tun, was die anderen einem sagen? Manchmal weiß man vielleicht sogar nicht mal, warum man etwas tut. Das heißt, Mut kann jeder Idiot haben. Aber Ehre, Ehre ist der wahre Grund dafür, ob man etwas tun soll oder nicht. Sie entscheidet darüber, wer du bist oder wer du sein willst. Wenn man für eine sehr wichtige Sache stirbt, heißt das, dass man beides hat. Sowohl Ehre als auch Mut. Und das ist ziemlich gut.“ – Essay zu The Charge of the Light Brigade von M. Oher

 

Die Grasharfe – Truman Capote aus dem Suhrkamp Verlag

 

Wunderlich geht nach Norden – Marion Brasch aus dem S. Fischer Verlag

„Ob der Baum da Äpfel hat?“
„Weiß nicht. Geh doch mal gucken“, antwortete Toni träge. „Und bring mir einen mit.“ Er stand auf, ging hinunter in den Garten und folgte der Schneise, die zum Baum führte. Vorhin hatte es noch so ausgesehen, als habe jemand bei der Hälfte aufgegeben, sich einen Weg durch das hohe Unkraut zu bahnen, doch Wunderlich ging immer weiter, und das blaue Leuchten vom Baum wurde immer intensiver. Fast ein bisschen unheimlich, dachte er und erinnerte sich an ein Märchen, das er kannte. Es handelte von einem Soldaten, der von einer Hexe beauftragt wird, ein blaues Licht aus einem trockenen Brunnen zu holen. Gruselige Geschichte am Anfang, glückliches Ende am Schluss. S. 91

Für den Februar wünsche ich mir, dass meine derzeitige Leseflaute nicht von Dauer ist. Auch wenn ich Wunderlich vorerst mit einem anderen Buch einsam zurück lasse – im Prinzip ist er ja nicht einsam – hoffe ich auf einen Wandel meiner bisherigen Eindrücke.

Ich danke für euren Besuch und sende liebe Grüße,

Tanja

Veröffentlicht von Tanja

Bücher lesen, fotografieren, Musik hören, das Meer - das brauche ich wie die Luft zum atmen.

3 Kommentare

  1. Liebe Tanja,

    da hast du ja eine schöne Mischung zusammengestellt. Die Textstelle aus dem Essay, in der es um Ehre und Mut geht, hat es mir besonders angetan. Da möchte man einfach nur ausrufen: „Ja, genau so ist es!“

    Deine Idee, öfters auch Bilder deiner Notizbücher zu zeigen, gefällt mir. Petra habe ich es vor einiger Zeit schon einmal gesagt: Ich ärgere mich inzwischen, dass ich mir nie ein Büchlein angelegt habe bzw. das Notieren von Zitaten per Stift und Büchlein mit Beginn der Challenge beendet habe. Einfach mal zwischen den Zitaten blättern, stelle ich mir immer wieder schön vor. Allein wenn ich jetzt Zitate aus der Zeit vor dem Bloggen ansehe, merke ich, wie sich auch meine Gedanken zu einem Zitat verändert haben – je nachdem, in welcher Lebenssituation man sich gerade befindet, identifiziert man sich wohl auch mit unterschiedlichen Aussagen.

    Dir drücke ich die Daumen, dass du schnell die Leselust wiederfindest – gerade jetzt zum noch jungen Jahr wäre es doch schade, mit einer langen Flaute zu kämpfen. Und im Winter, in eine Decke gekuschelt und mit einer Tasse heißen Tees in der Hand, liest es sich doch eigentlich besonders gemütlich.

    Liebe Grüße in den Norden
    Kathrin

  2. Huhu Kathrin,
    „Ja, genauso ist es!“ Ich lausche dem Fluss der Worte und jedesmal auf„s Neue bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an die sechshundert denke. Was sie wohl dachten, oder fühlten?

    Oh ja, unsere liebe Petra hält alles fest, was festgehalten werden muss. Sehr lobenswert. Bin gespannt, ob du dir doch noch ein kleines Notizbuch zulegst.
    Notizbücher sind wirkich eine schöne Erinnerung. Ich habe auch noch ein Heftchen aus der Zeit vor des Bloggens und es stimmt – Gedanken und Gefühle ändern sich. Letztes Jahr bin ich über Ada auf ein Reading Journal im Potter Style gestoßen, eigentlich war das Buch für Olli gedacht, jetzt nutze ich das Büchlein selbst. Rechts notiert man Gedanken u. Zitate, links die Dinge, die man für sich mitnimmt bzw. Dinge über die man mehr erfahren und lernen möchte. Ada hatte recht, irgendwie wird das Lesen dadurch noch viel intensiver.

    Bin gerade mit Herrn Wunderlich beim schönen Ringo. Die Leselust ist also wieder da. Was mir fehlt ist ein heißer Wohlfühltee.

    Ich wünsche dir einen gemütlichen Abend.

    Liebe Grüße,
    Tanja

    • Schön, dass die Leseflaute schnell wieder abgeebbt ist 🙂

      Das Journal im Potter-Stil klingt ja fabelhaft und sehr inspirierend. Ich habe mit Lese-Journals bislang noch gar keine Erfahrung, aber in den letzten Monaten habe ich viel positives über diese kleinen Büchlein gehört. Mal schauen, ob ich mir nächstes Jahr eins anlege. Normale Notizbücher habe ich en masse, allerdings würde ich da wohl wirklich nur Zitate sammeln – ein spezielles Journal, das extra aufs Lesen ausgelegt ist, wäre da eine kleine Bereicherung. Ich füchte nur, dass mir hierfür früher oder später die Motivation flöten gehen würde, da es natürlich ein zusätzlicher Zeitaufwand wäre. Wie sind denn deine Erfahrungen bisher?

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