[Challenge] Gesammelte Schätze 2015 – Februar

Gesammelte Schätze 2015

Endlich bin ich dazu gekommen ein paar von den vielen Kostbarkeiten aus dem Monat Februar 2015 für die Schatz-Challenge zu notieren. Warum ich so lange gebraucht habe? Tatsächlich ist es so, dass ich recht viel gelesen habe – zumindest für meine Verhältnisse. Dabei habe ich nur ein bis zwei Bücher durch, drei andere quergelesen, was zum einen daran lag, dass ich ein Buch lieber hätte ganz zur Seite legen sollen, als weiterzulesen. Aber dieser Versuch scheiterte. Zumindest zunächst! Einfach, weil unglaublich viele schöne Worte aus dem isländischen Roman ´DER SCHMERZ DER ENGEL` sprudeln. Bevor ich loslege, hier noch mal die Verlinkung zu Kathrins Blog Phantásienreisen, wo sich dieses Jahr alle bibliophilen Ärchäologen herumtummeln und ihre Ausbeute vorstellen.

Selbst auf der Innenseite des schönen Covers sind die ersten schönen Zeilen zu entdecken. »In den Wintern sind die Nächte dunkel und still, wir hören die Fische auf dem Meeresgrund atmen.« Oder: »Der Schnee fällt so dicht, dass er Himmel und Erde miteinander verbindet.« Und so geht es permament weiter. Selten habe ich mehrere Seiten hintereinander nicht mit PostIt markiert. Aber dann, nach dem ersten Viertel ungefähr, die Vollkatastrophe! Gewissheit hatte ich, als ich nach Titel und Autor das allmächtige world-wide-web durchforstete. Sogleich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Vor mir liegt der dritte  und letzte Band einer abschließenden Trilogie. Wirklich peinlich. Plötzlich war klar, warum mir alle Gespräche so fremd erschienen, aber ich dachte zunächst an einen pfiffigen Kniff seitens des Autors. Ebenso fragte ich mich, warum alle den Jungen mit »Junge« oder »der Junge« ansprechen. Trotz dieser Ernüchterung, dass ich gerade die Fortsetzung von »Das Herz des Menschen« lese, empfinde ich den Kauf, damals als Island zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse war, nicht als Fehlgriff. Stefánssons metaphorische poetische Sprache ist wie Magie. Ich lese hin und wieder trotzdem ein paar Zeilen, wobei ich ein abschließendes Résume erst dann gebe, wenn ich auch die vorangegangenen Bände gelesen habe. Gott nee! Am liebsten würde ich gerade in den Erdboden versinken.

notizbuch-collage

Worum geht es im groben?
Himmel, Erde und ganz viel Tod. *smile* Inzwischen hatte ich mir meine eigenen Theorien zusammen klamüsert und habe sie mit meiner wunderschönen Schrift ins Notizheft gekritzelt. Und genau diese werden mich später erinnern, ob ich mit dem wirrwarr an Gedanken richtig liege. Und ja, ich philosophiere immer noch.

Wenn es um die Liebe geht, dann in jedem Fall um die Liebe zur Literatur. In diesem Zusammenhang auch um den bitteren Verlust einer Freundin. Außerdem ist hin und wieder von dämonischen Kräften die Rede – gefallene Engel? Und schon wieder stehe ich träumend und suchend auf der fast höchsten Klippe eines Berghangs und blicke nach vorn. Vor mir … nur die weißgrauen Wolken am Himmel.

 Der Schmerz der Engel (Piper Verlag), Autor /in: Jón Kalman Stefánsson , S. 21

Der Mensch stirbt, wenn man ihm sein Brot wegnimmt, und er verwelkt ohne Träume.

 Der Schmerz der Engel (Piper Verlag), Autor /in: Jón Kalman Stefánsson, S. 28

Der Junge setzt sich in den weichen Sessel, streicht über den Brief, als wolle er sagen, ich habe dich nicht vergessen, wie könnte ich auch, nimmt dann ein Buch vom Nachttisch, Gedichte von Ólöf Sigurðardóttir. Er will bloß ein oder zwei von ihnen lesen, er muss zusehen, dass er nach unten kommt, Helga wartet garantiert mit einer Arbeit auf ihn: Schnee schieben putzen, [..] Er liest und sie spricht. Was für Worte!

[…] Gedicht von Ólöf Sigurðardóttir

Sie spricht, welche Worte. Sie lacht, o Herzen Klang.

Sie hasst, welcher Grimm. Sie bestimmt,

und das Urteil macht bang.

Sie streitet, welche Kraft. Sie liebt, o, dieser feurige Brand.

Sie droht, welche Macht. Sie wartet, dieser Drang.

Er hört auf zu lesen und blickt vor sich hin. Sie liebt, sie droht, und das Urteil macht bang.

Der Schmerz der Engel (Piper Verlag), Autor /in: Jón Kalman Stefánsson, S. 182

»Leute die viel quatschen, sind keine guten Reisegefährten, sie geben frühzeitig auf.«

Das Licht zwischen den Meeren, Autor/in: M.L. Stedman, S. 47

»Wirklich eine Schönheit, stellte Tom fest und betrachtete die riesige Linse, viel größer als er selbst, auf ihrem Drehteller: ein Palast aus Prismen, der an einen gläsernen Bienenstock erinnerte. Das hier war das Herz von Janus, nichts als Licht, Klarheit und Schweigen.« 

 Das Licht zwischen den Meeren, Autor/in: M.L. Stedman, S. 99

»Manchmal ist der Ozean nicht der Ozean – nicht blau, ja, nicht einmal Wasser, sondern ein heftiger und wuchtiger Gewaltsausbruch in einer Wildheit, wie nur Götter sie hervorrufen können. Er stürzt sich auf die Insel, dass die Gischt über den Leuchtturm hinwegspritzt…[..] « 

Fresia – Auszug aus einem Liebesgedicht von Joachim Ringelnatz

Fresia heißt eine blasse Blüte
Vornehmer, feiner Art.
Ihre Linien sind weich und zart.
Auf dem Seidengelb prangen erglühte
Rosige Schatten.
Fresia füllt mit liebesmatten,
Schweren, süßen Wolken die Luft,
Haucht einen heißen, sündigen Duft,
Der dir indische Märchen erzählt,
Der, vom Winde zerstäubt, […]

Es wären da noch viele weitere Schätze zu erwähnen, aber ich möchte es nicht übertreiben.

Viele Grüße,

Tanja

Veröffentlicht von Tanja

Bücher lesen, fotografieren, Musik hören, das Meer - das brauche ich wie die Luft zum atmen.

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