30 Songs und eine Frau

30 Songs und eine Frau von Christine Weiner

„Als ich sechzehn Jahre alt war, nahm ich mir vor, das ganze satte Leben zu genießen. Ich wollte träumen, reisen, lieben. Eine freie Abenteurerin wollte ich werden. Jetzt war ich fünfzig Jahre alt, Zahnarzthelferin und die dienstälteste Gouvernante meiner Mutter. Und, um es gleich zu sagen, das war kein Vergnügen, sondern es war die reinste Pest.“

Freundschaft, Jugenderinnerungen, Sehnsüchte, verpasste Möglichkeiten und die Erkenntnis: Das wichtige am Leben ist, es gelebt zu haben. Darum geht es in der Geschichte von Anne (50) in Christine Weiners gerade erst veröffentlichten Roman.

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Sowohl der Klappentext als auch das schön gestaltete Cover zog mich magisch an. Ich wollte es wagen. Obwohl das Genre „Frauenliteratur“ nicht unbedingt in den Korpus literarischer Texte passt, welche ich gerne lese. Aber hey, ich hoffte auf den Zauber, wie ich ihn vor ein paar Jahren mit den „Ya-Ya Schwestern“ erlebte. Außerdem gefiel mir die Idee: 30 Songs (Wünsche) in 30 Kapiteln. Erst sang ich lautstark mit: „Nothings gonna stop me now“! Bis meine Stimme (ungefähr ab Seite 125) versagte – wie ein ausgedienter Leierkasten oder wie die Kassette im Walkman, wenn auf der Batterie kein Saft mehr drauf war.

Ein Tapemix mit aufgesprochenen Wünschen ans Leben und aufgespielter Musik aus den 80er Jahren führt Anne vor Augen, was sie in all´ den Jahren verpasst hat. Hadernd mit sich selbst, hin und her gerissen zwischen Verantwortungsbewusstsein und Freiheitsdrang und im Kopf die Eheprobleme, fasst Anne sich ein Herz. Sie setzt sich ins Auto und fährt los. Ihr Ziel ist Wien. Sie will wieder leben; wieder „Dancing Queen“ sein. Was jedoch folgt kommt mir wie eine klebrige Mixtur aus TV Reality und bekannten Sitcom-Serien vor. „New Girl“, „Desperate Housewives“ und „Shopping Queen“ auf Wiener Art. Es ist der Versuch, unterhaltsam, tiefsinnig und gleichzeitig witzig sein zu wollen. Leider hat das für mich mit dem alltäglichen „Blablabla“ im Dialog nicht funktioniert. Mit den Figuren in der Schwulen WG – Greta und Marlene (beides Travestiekünstler) – muss man Nerven wie Drahtseile haben. Und mit der Begegnung zwischen Anne und Felix ist mir einmal mehr bewusst geworden, dass nur wenige Autorinnen Gefühle so ausdrücken können, dass sie nicht zu kitschig werden. Aber vielleicht muss das in einem Frauenroman so sein; vielleicht gehört das einfach dazu – genauso wie der Champagner oder ein „Sex on the beach“ (weil sich das echt prickelnd gut anhört). Einzig positiv hervorheben kann ich nur die Erinnerungen der Ich-Erzählerin Anne, wenn sie von ihrer wilden Jugend mit Freundin Manu erzählt. Letztenendes muss ich mir eingestehen: Das war nichts! 80er hin oder her. Ich brauch jetzt Hardrock Baby.

Christine Weiner, geboren 1960, arbeitete in Kinderheimen, als Heiratsvermittlerin und beim SWR, bevor sie sich vor vielen Jahren als Coach und Beraterin in Mannheim selbständig machte. Sie ist Autorin erfolgreicher Sachbücher und derzeit als Projektleiterin für Mentoring an der Hochschule Mannheim engagiert.

x Autor/in: Christine Weiner
x Titel: 30 Songs und eine Frau
x Genre: Roman, Frauenliteratur
x 361 Seiten
x Verlag: Marion von Schröder
x ISBN: 978-3-547-71207-0

 

Veröffentlicht von Tanja

Bücher lesen, fotografieren, Musik hören, das Meer - das brauche ich wie die Luft zum atmen.

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